ALLES EINE FRAGE DES FORMATS?!

Dr. Conny Dietrich, Kuratorin der Ausstellung:

Sind Zeichnung und Druckgrafik eher „klein“, Malerei und Bildhauerei zumeist „groß“? Kann eine Miniatur nicht auch monumentale Wirkung besitzen? Die Frage nach dem Format, der Größe eines Kunstwerkes, seiner Darstellungsform, aber auch seinem Material, seiner Bildsprache und Technik geht immer auch mit inhaltlichen Fragestellungen einher: Was will ich ausdrücken, warum und mit welchen Mitteln? An wen richtet sich das Werk? Für welchen Ort ist es gedacht? Soll es einen bestimmten Zweck erfüllen? Dabei spielen nicht selten auch triviale praktische Gesichtspunkte eine Rolle: Bietet mein Atelier ausreichend Platz? Ist die Umsetzung der Idee in der vorgesehenen Technik machbar?

Mit der Frage nach der Rolle des Formats in ihrem Schaffen wandte sich der Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. (VBKTh) im Frühjahr mit einer Ausschreibung an seine Mitgliedschaft. Seit 2012 organisiert der Verband alljährlich in der Reihe „WERT DER KREATIVITÄT“ eine große Mitgliederausstellung. Ziel dieses Langzeitprojekts, das maßgebend von der Thüringer Staatskanzlei gefördert wird, ist es vor allem, ein größeres Bewusstsein für die spezifischen Probleme und Bedürfnisse bildender Künstlerinnen und Künstler in der Öffentlichkeit zu schaffen. Diesmal nun sollten nicht Themen wie die Preisgestaltung, Absatzmöglichkeiten, Förderung von Kunst oder der Umgang mit dem eigenen Lebenswerk im Mittelpunkt stehen, sondern mit der Frage nach dem Format eine zur formalen Gestaltung eines Werkes.

Fast 70 Künstlerinnen und Künstler waren dem Aufruf gefolgt, hatten Werkbeispiele eingereicht und ihre Sicht und Haltung in persönlichen Statements erläutert. Auch wenn die Ausstellung in diesem Jahr mit dem KunstForum Gotha und dem Jenaer Kunstverein e.V. parallel sogar an zwei Orten gezeigt wird, musste eine Jury aus Kapazitätsgründen doch eine Auswahl treffen. Sie entschied sich für Arbeiten von insgesamt 54 Bewerberinnen und Bewerbern. 37 von ihnen präsentieren nun ihre Werke in Gotha, 17 Positionen werden in Jena gezeigt, wo die Ausstellung zeitversetzt eröffnet wird. Die Aufteilung der einzelnen Werke war eine kuratorische Entscheidung, die nicht auf inhaltlichen Kriterien beruht, sondern neben praktischen Fragen vor allem auf ästhetischen Gesichtspunkten basiert.

(...) vollständiger Text siehe Katalog zur Ausstellung!

Die breite Palette der Ausstellungsbeiträge macht deutlich, dass die Frage nach dem Format nur auf den ersten Blick ein rein formalästhetisches Problem ist, sondern sie stellt eine überaus grundlegende Entscheidung in Hinblick auf die Aussage des zu realisierenden Werkes dar. Die Dialektik zwischen Form und Inhalt, zwischen Gestalt und Gehalt, ist eine der zentralen künstlerischen Kategorien. Zugleich aber – das zeigen die Statements der Künstlerinnen und Künstler auf – spielen oft auch praktische Aspekte eine Rolle. Und nicht zuletzt spiegeln sich in den großen und kleinen Werken auch die verschiedenen Persönlichkeiten der Künstlerinnen und Künstler wider: Manche brauchen die große, laute malerische Geste, die auch körperliche Kraftanstrengung bedeutet; andere lieben das intime, ruhige Arbeiten im Kleinformat; einige benötigen zum Ausgleich und zur Abwechslung beides.

In den vergangenen Jahren hat der VBKTh mit Ausstellungen wie KAUFMUT: KÄUFER | KÜNSTLER (2014), 10 PROZENT – WAS BLEIBT? (2018), ANLASS BAUHAUS 100 (2019) oder der aus den Erfahrungen des ersten pandemiebedingten Lockdowns heraus entstandenen letztjährigen Schau zum 30-jährigen Verbandsjubiläum RESET – NEUSTART unter verschiedenen Aspekten künstlerisch bedingte und berufsständische Fragen thematisiert. Die Ausstellung 2021 setzt dieses Projekt in einer Parallelausstellung im KunstForum Gotha und im Jenaer Kunstverein fort und präsentiert Kunst aus Thüringen zugleich im Osten und im Westen des Freistaats. Mit beiden Einrichtungen hat der VBKTh auch in früheren Jahren schon erfolgreich kooperiert.

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Der erste Teil der Ausstellung wurde am 7.10.2021 im KunstForum Gotha eröffnet.
Erleben Sie hier den virtuellen Rundgang!


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Marie-Luise Leonhardt-Feijen
DIE VORAUSAHNENDEN, 2010–2021
Buchunikat, Ölstift, Aquarellstift, Graphit auf Teebeutelpapier
9,4 x 16,5 cm (geschlossener Zustand)

Bettina Schünemann
CAYO CENTRO, 2021
Öl auf Leinwand
90 cm (Durchmesser)

Stefan Leyh
GALLAHAD, 2008
Holz, Leder
100 cm (Durchmesser)

Marion Walther
GROß-KLEIN, 2021
Keramik, Rostobjekt, Stahl, Steinsockel
62 cm (Höhe große Büste),
je 18 cm (Höhe kleine Büsten)

Philipp Valenta
GLÜCKSRAD, SEIT 2020
Installationen aus Krawatten
ca. 200 cm (Durchmesser)

Lydia Schindler
ALLES EINE FRAGE DES FORMATS, 2021
Bildinstallation nach L. Richter
Kunstdruck auf Karton, Bilderrahmen
65 x 100 cm

Die Themenreihe WERT DER KREATIVITÄT ist ein Projekt des Verbandes Bildender Künstler Thüringen unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei  ·  Seitenanfang Impressum Datenschutz