Susanne Worschech

Apolda, Jena und Barcelona
www.studiokeramos.de

Keramik
Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen

KINTSUGI___, 2019
Rakukeramik, japanischer Goldlack, Eisengestell
Höhe 25 cm, Durchmesser 22 cm

„Nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt.“ (Richard R. Powell)

Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann dieses: Wir sind zu Gast auf dieser Erde, wir dürfen mit-gestalten, können jedoch nichts festhalten. Dinge wachsen, gedeihen und zerbrechen manchmal.

Der Tontopf in meinen Händen – er ist aus Erde geformt, wurde mit Feuer gehärtet, mit Glasur versiegelt und kann doch plötzlich zerbrechen. Seinen Wert und seine Geschichte behält er jedoch, wenn ich ihn wieder zusammenfüge. Kintsugi ist die japanische Kunst, Zerbrochenes mit Goldlack zu reparieren. Die Brüche werden nicht versteckt, sondern bleiben sichtbar und werden zu etwas Wertvollem.

Die Brüche des Lebens vergolden. 2010 verunglückte Amelie, meine jüngere Tochter, tödlich bei einem Autounfall. Sie war zwanzig Jahre alt, studierte Jura und war eine ambitionierte Reiterin. Dieser Bruch in meinem Leben warf mich aus der Bahn. Nichts hatte mehr Bestand, ich verlor den Halt. Alles verrückte sich. Ich drohte, verrückt zu werden. Ich wollte nicht mehr töpfern, nicht mehr unterrichten, keine Kunst mehr schaffen.

Erst allmählich fand ich wieder zurück ins Leben. Ich setzte meine ganze Kraft ein, um nach vorn zu schauen und einen neuen Lebenssinn zu finden. Geholfen dabei haben mir die Musik, die Poesie und der Glaube an ein großes Ganzes. Die Erinnerung an zwanzig wundervolle Jahre klingt in mir. Die schmerzlichen Risse in meinem Herzen habe ich vergoldet und bin stolz auf meine Tochter und ihr Andenken.

Die Themenreihe WERT DER KREATIVITÄT ist ein Projekt des Verbandes Bildender Künstler Thüringen unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei  ·  Seitenanfang Impressum Datenschutz