Marie-Luise Leonhardt-Feijen

Schlotheim
lmarieluise@yahoo.fr
www.leonhardt-feijen.de

Zeichnung, Grafik, Texte, Buchunikate, Collagen, Fotografie
Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen

DIE TRAGFÄHIGE LÖSUNG
BEIM WORT GENOMMEN
2017/18
Installation, Künstlerbücher und Collagen

Gern tobte ich mich auf großen Formaten aus und träumte dabei von noch größeren, durch einen Lottogewinn in einem riesigen Atelier ermöglicht. Da dieser Gewinn ausblieb, bewegten sich die Arbeiten weiterhin in Größen bis zu ca. 2,50 x 1,50 m, auf Papier. Dabei ging es mir immer um die Energie meines Zeichenstrichs, um einen wechselnden Stil (also keinen) und die Reflexion darüber, was eine Zeichnung bedeutet, all das repräsentativ für meine künstlerische Arbeit. Es gibt viele von diesen Arbeiten, die ich als Eckpunkte meines Werks betrachte und die wichtige Beispiele meines Schaffens sind.

Allerdings kam mir der Gedanke an meinen Nachlass selten und ich hatte auch nie die Illusion, dass sich jemand in den Orten, in denen ich zufällig ein paar Jahre lebte, für diese vielen, großen Arbeiten interessieren würde. Wenn die Nachlass-Frage aber doch mal im Raum stand, dachte ich sofort in der Kategorie TRAGFÄHIG: Was könnte ich auf einer Flucht tragen, was können meine Nachkommen tragen? Natürlich nie die großen, sperrigen Sachen, sondern meine Zeichenbücher. Es sind keine Skizzenbücher, denn für meine Bilder mache ich keine Vorbereitungen. Doch findet man in diesen Büchern all die Ansätze zu den Ideen, die ich in den großen Arbeiten sichtbar machte.

In meinen neuesten Arbeiten (nicht in Buchform, aber zum Thema passend) kombiniere ich mit meinen Arbeiten Fotos aus Nachlässen von jedermann, wie man sie auf Flohmärkten findet. Ich schneide die Menschen aus den Fotos heraus, trenne sie also von ihrer gewohnten Umgebung und collagiere sie auf meine Zeichnungen. Auch die übriggebliebenen Umgebungen, also die Hintergründe ohne die Menschen, kommen auf Zeichnungen und erhalten durch diese Kombination eine andere Bestimmung. Eigentlich treffen hier zwei Nachlässe aufeinander: der Nachlass von Unbekannten auf meine Arbeiten.

In den 1970er Jahren besuchte ich einen Freund, der mir farbige Kunstpostkarten aus Frankreich zeigen wollte. Aber sein Bruder hatte einen Fluchtversuch gemacht und die Stasi nahm daraufhin bei einer Hausdurchsuchung auch diese Postkarten mit. In meinem Kopf sind diese nie gesehenen Karten immer noch vorhanden. Kunstwerke überleben. Auch die, die man nicht einmal mehr tragen kann.

Die Themenreihe WERT DER KREATIVITÄT ist ein Projekt des Verbandes Bildender Künstler Thüringen unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei  ·  Seitenanfang Impressum Datenschutz