Robert Böhmer (Rapak)

Erfurt
rapak@gmx.de

Malerei

Tulpenmanie
2012 · Acryl auf Leinwand · 150 × 100 cm

Everybody has to pay his debts sooner or later
1999 – 2011 · Acryl auf Leinwand · 105 × 75 cm

Der Wert künstlerischer Arbeit liegt für RAPAK in der intellektuellen Konfrontation mit der Realität. In seinen Darstellungen verknüpft er bedeutende Themen der Gegenwart wie Wirtschaft, Macht und Religion. Aus seiner individuellen Lebenswelt und seiner beruflichen wirtschaftswissenschaftlichen Erfahrung versucht er diese Themen künstlerisch aufzugreifen. Ein Kernthema seiner Arbeiten ist „Kapitalismus als Religion“, er schreibt im Folgenden dazu:

Max Weber (Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, 1905) hat den Kapitalismus als ein religiös bedingtes Gebilde beschrieben. Walter Benjamin (Kapitalismus als Religion, 1921) erkannte sogar „eine essentiell religiöse Erscheinung“. Der „Geist des Kapitalismus“ hat die Menschen dazu gebracht, sich ein

„stahlhartes Gehäuse“ ihrer Gesellschaft zu formen. „Heute ist [der] Geist – ob endgültig, wer weiß es? – aus diesem Gehäuse entwichen.“ Weber prägte den Begriff von der „Entzauberung der Welt“: Der heutige Kapitalismus bedarf seiner einstigen religiös motivierten Stütze nicht mehr. Im Zuge der industriegesellschaftlichen Modernisierung etablierten sich säkulare und pseudo-religiöse Weltbilder.

Die „Tulpenmanie“ steht für die erste große Spekulationskrise des aufkommenden Kapitalismus in Holland (17. Jhd.). Das Bild spiegelt die sieben Todsünden Habsucht, Wollust, Maßlosigkeit, Stolz, Zorn, Neid und Trübsinn wider. Die Geste des Wirtschaftsbosses Joe Ackermann (im Bild eine Figur in Anlehnung an Ceausescu) steht sinnbildlich für die Arroganz der Macht. Ackermann erklärte im Jahr 2004: „Dies ist das einzige Land, in dem diejenigen, die Erfolg haben und Werte schaffen, deswegen vor Gericht gestellt werden.“ Der moderne Wettbewerb erscheint als ein Kampf aller gegen alle, in dem die Lüge zur Moral erhoben wird. Rechts unten im Bild bittet der „Maschinist der Macht“ in diesem Treiben um etwas Spielraum oder Zeitgewinn.

„Everybody has to pay his debts sooner or later“ ist offensichtlich mit der Krise der Banken- und Finanzwelt zu assoziieren. Mit der quasi-religiösen Forderung wird aber eine tiefergehende Botschaft aufgegriffen als nur eine plakative Moralisierung von Verschuldungswahn und Zockermentalität – und zwar Fragen nach der Erlösung der Seele und der Vergebung von Schuld, die in der zwanghaften ewigen Tretmühle des Kapitals keine Antwort finden.

Die Welt ist nicht schwarz-weiß, sie beginnt für den Künstler dort, wo sie bunt und absurd zu werden beginnt. Deshalb erscheinen RAPAK-Kunstwerke – wie „Die Shareholder Value Diskussion“ – mit ihrer ironischen Distanz weniger als Moralisierung, sondern mehr als eine lockere Bereicherung für die Präsentation im Kontext von Wirtschaft und Politik.

Die Themenreihe WERT DER KREATIVITÄT ist ein Projekt des Verbandes Bildender Künstler Thüringen unterstützt durch die Thüringer Staatskanzlei  ·  Seitenanfang Impressum Datenschutz